Das Donatusdenkmal

in Merkholtz-Alscheid

In Luxemburg geht die Donatusverehrung auf den Grafen Lannoy von Clervaux zurück, der 1712 bei den Jesuiten in Münstereifel eine Reliquie des Heiligen für seine Schlosskapelle erbat. Es folgten Arlon 1738, Fels (Larochette) 1743, Pintsch 1748, Alscheid 1934 und viele weitere Orte.

Die Pfarrei Pintsch (Kiischpelt) erhielt ihre Reliquie 1748. Sie wurde in einem schönen Reliquiar aufbewahrt, das vermutlich vom Viandener Goldschmied Franz Carl Felsenhart (ca. 1701‒1782) angefertigt wurde. Im gleichen Jahr wurde eine mitgliederstarke Donatusbruderschaft gegründet und die gesamte Pfarrei ‒ immerhin neun Dörfer ‒ unter den Schutz des beliebten Heiligen gestellt. Zur ersten Hundertjahrfeier ließ Pfarrer Nic. Dernoeden (1843‒1876) beim heutigen Friedhof in Pintsch eine Donatuskapelle errichten.

Die Initiative zur Errichtung eines Donatus-Denkmals ging vom Merkholtzer Pfarrer Aloyse Krier aus.

Der von der Mosel stammende Künstler Jos Sünnen unterbreitete Pfarrer Krier anlässlich eines Besuchs den Entwurf für ein Donatusdenkmal. Eigentlich hatte er ein Donatusdenkmal zwischen Remich und Bech-Kleinmacher errichten wollen, doch der Pfarrer von Merkholtz schlug ihm vor, das Projekt in seiner Pfarrei zu verwirklichen, da die Pfarrei Pintsch, zu der Merkholtz früher gehörte, seit zwei Jahrhunderten eng mit der Donatusverehrung verbunden war. Der Entwurf des Mosaiks stammt ebenfalls von Jos Sünnen, die Ausführung erfolgte durch die Firma Richard Grasser aus Düsseldorf. Rund sechs Wochen wurde an der Zusammensetzung des Mosaiks aus 25.000 Steinchen gearbeitet. Die Steine stammen zu je einem Drittel aus Italien und Deutschland. Der Rest sind Kunststeine. Das Bauwerk wurde von der Firma Brauch aus Wiltz mit Steinen aus dem Merkholtzer Steinbruch errichtet.
 
Der untere Teil hat die Form eines Altars und ist sieben Meter lang. Auf diesem Altarsockel stehen vier miteinander verbundene, sieben Meter hohe Säulen, gekrönt von einem zwei Meter hohen Bronzekreuz. An der Vorderseite ist ein drei Meter hohes Mosaikbild des Heiligen abgebildet, daneben die Inschrift ST DONATUS. Auf der Rückseite befindet sich ein Chronogramm, eine lateinische Inschrift, die das Baujahr angibt.

Die Einweihung der Donatussäule auf der Grenzscheide zwischen Merkholtz und Alscheid fand am 26. August 1934 statt. Gegen 15 Uhr formierte sich der Festzug in der einzigen Dorfstraße, begleitet von den schwungvollen Klängen der Musikgesellschaft Niederwiltz. Von den Stufen des Denkmals aus begrüßte Schöffe J.  Wenkin von Merkholtz Tausende Pilger und Ehrengäste. Die Einweihungsrede hielt von der steinernen Kanzel der Vertreter der Kommission für Kunst und Denkmalpflege, Ehrenprofessor Klein : „Den Naturgewalten war man auf der Höhe mehr ausgesetzt als im Tale. Da schaute sich das Volk um nach Hilfe. Es wählte sich bestimmte Heilige als mächtige Fürsprecher am Throne Gottes. Besonders stark schien unsern Vorfahren der heilige Donatus zu sein. Ihn wählte man zum Schutzpatron in den Gegenden, die beim Blitz am meisten ausgesetzt sind. Hier finden wir Reliquien, Statuen, Denkmäler vom hl. Donatus, — das neueste und schönste Denkmal dieser Art aber werde ich in diesem Augenblick vor euch enthüllen  ...“

Es folgten Gesänge durch den Kirchenchor von Pintsch, den Männerchor von Wilwerwiltz sowie durch den gemischten Chor von Dahl, der eine vertonte Donatuskantate vortrug ‒, musikalische Darbietungen der Musikgesellschaft von Wiltz und Gedichte in schönster Abwechslung, und alle erhielten den verdienten Beifall.
 
Anschließend fand Émile Reuter, Präsident der luxemburgischen Abgeordnetenkammer, eindrucksvolle Worte: „Denkmäler sind Ausdruck des Volkscharakters. Sie sind Ausdruck des Glaubens und der Hoffnung, die in einem Volk leben und wirken. Bei uns Luxemburgern findet man keine militärischen Denkmäler. Unsere Denkmäler sind aus Dankbarkeit und Freude an heimatlicher Kunst und Dichtung entstanden. Sie sind ein Bekenntnis zu unseren nationalen Traditionen.
Dieses Donatusdenkmal soll auch ein Kulturdenkmal sein ‒ auf felsigem Grund errichtet, soll es ein steinernes Gebet sein. Der tiefe Sinn, den das Denkmal ausstrahlt, ist der Glaube und das Gottvertrauen der Ardenner, der Luxemburger Bauern … Der Donatusstein erhebt sich zum Himmel als Denkmal unseres national-religiösen Charakters und unserer unverbrüchlichen Treue zu Gott, Heimat und Vaterland.“

Anschließend erfolgte die kirchliche Segnung des Denkmals durch Pfarrer Hartmann , assistiert von zwei benachbarten Pfarrern.

Der aus Mosaiksteinen zusammengesetzte Donatus trotzt bis heute nicht nur der Witterung, sondern hat auch den Zweiten Weltkrieg unbeschadet überstanden. Um die Sprengung der Eisenbahnbrücken zu verhindern, hatten die Amerikaner während der Ardennenoffensive auf der Alscheider Höhe Panzer zusammengezogen, die von dort zum Fluss Klerf vorrückten. 1977 restaurierte der luxemburgische Glasmaler und Mosaikkünstler Gustave Zanter das Mosaik, das im Lauf der Jahre in Mitleidenschaft gezogen worden war.

Das Donatusfest mit einer Prozession zum Denkmal findet alljährlich am zweiten Sonntag im Juli statt. Rund um das Denkmal legte die Gemeinde eine parkähnliche Anlage an und errichtete 1989 hier ein „Onofhängegkeetsmonument“.

Donatusdenkmal

26. August 1934: Schöffe J. Wenkin aus Merkholtz hielt die Begrüßungsansprache

Stramme Kavalerie eröffnete den Festzug

Mosaik am Donatusdenkmal

Weitere Informationen
Quellen & Fotos

Nicolas Bosseler - Kautenbach, Merkholtz, Alscheid, der Kohnerhof und die Schüttburg auf ihrem schicksalhaften Weg durch die Jahrhunderte
Heimatkundliche Blätter Aachen Brand 13 (2002), S. 56-91
Artikel Luxemburger Wort (29.08.1934)

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