Rackésmühle
eine der ältestes Wassermühlen Luxemburgs
Die Wassermühle in Enscheringen aus dem Jahr 1334 ‒ im Volksmund „Äischer Millen“ oder „Rackésmillen“ genannt ‒ ist eine der ältesten Mühlen Luxemburgs. 1824 erhielt das Gebäude seine heutige Form. Bis 1954 wurde hier Brotmehl hergestellt.
Das Ösling (Éislek / Luxemburger Ardennen) ist seit jeher wirtschaftlich eng mit der Land- und Forstwirtschaft verbunden ‒ ein Grund, wieso es hier sehr alte Wassermühlen gibt. Die Nutzung der Kraft von Wasser und Tieren war die einzige einfache Methode, Weizenkörner zu mahlen. Oder um Öl herzustellen, denn Luxemburg verfügte damals auch über zahlreiche Ölmühlen.
1334 war ein wichtiges Jahr für die Region: Johann der Blinde, König von Böhmen, Graf von Luxemburg, Titularkönig von Polen und „letzter Ritter“, übertrug Königsritter Wauthier de Meysembourg die Gerichtsbarkeit über sein Gebiet, das sich wahrscheinlich zwischen Wiltz und Clerf erstreckte.
Das Gebäude, wie wir es heute kennen, stammt aus dem Jahr 1824. Die Volkszählungen aus dieser Zeit belegen eine wahre Blütezeit der Mühlen auf luxemburgischem Gebiet. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurden insgesamt 660 Mühlen gezählt, davon allein 115 in dieser Region. Hundert Jahre später existierten landesweit nur noch etwa 100 Wassermühlen.
Die Mühle in Enscheringen hat im Laufe der Zeit zahlreiche technische Veränderungen erfahren. Ursprünglich war sie mit zwei Wasserrädern von 3,80 m Durchmesser ausgestattet, die nach dem System der Wasserversorgung von unten funktionierten. Heute ist nur noch ein Rad installiert.
Die Familie Racké kaufte die zweistöckige Mühle 1920, in der bis 1954 täglich Weizen gemahlen wurde. Sie zeichnet sich durch ihre schmale, hohe Bauweise aus. Im Erdgeschoss befindet sich die Infrastruktur für den Antrieb und die Aufnahme der Endprodukte. Im ersten Stock sind die Formsteine untergebracht und im zweiten Stock die Filteranlage. Nach 1954 wurde das Gebäude für etwa zehn Jahre als Futtermittelhandel genutzt.
Erst 1967 entschloss sich Willy Racké, Miteigentümer und Müller, die Mühle der Öffentlichkeit zugänglich zu machen und seine Leidenschaft weiterzugeben. Ihm und seiner Pflege ist es zu verdanken, dass die Mühle heute noch in Betrieb ist. Trotz ihrer langen Geschichte ist die Mühle nach den letzten Besitzern, der Familie Racké, benannt. Laut Willy Racké war die Mühle die Rettung in der Kriegszeit: Sie ermöglichte es der Bevölkerung, sich weiterhin mit Brot zu ernähren, und verhinderte so eine Hungersnot. Willy Racké verstarb 2018.
Seit 2003 ist das Tourist Center Robbesscheier Eigentümer der Rackésmillen. Es renovierte das Gebäude, richtete im ehemaligen Müllerhaus eine Ferienwohnung ein und nahm die Besichtigung der Mühle in sein pädagogisches und touristisches Programm auf. Seitdem findet das Millefest jedes Jahr im August statt.
Die letzten Renovierungsarbeiten wurden 2019 in Angriff genommen. Mit dem Erwerb des Nachbarhauses „Al Molkerei“ (ehemalige Molkerei) durch das Tourist Center Clerf erhielt die Rackésmillen ein neues Gesicht. Heute beherbergt sie eine Ferienwohnung, ein Hotel und ein Restaurant.
Weitere Informationen
Quellen & Fotos
› Erpelding Emile - Die Mühlen des Luxemburger Landes
› Webseite der Rackésmillen
› Webseite Industriegeschichte aus Luxemburg und darüber hinaus




