Die Schüttburg
Schüttburg Eine Burg im Tal der KClerf
Bei der in Privatbesitz befindlichen Schüttburg handelt es sich um eine weitgehend unbekannte Burganlage, die versteckt und sehr idyllisch abseits der heutigen Verkehrswege auf einem steilen, schmalen Felsrücken über dem Tal der Klerf liegt.
Die heutige offizielle Schreibweise lautet Schüttbuerg, Schëttbuerg und Schibreg bzw. Schibbreg auf Luxemburgisch, auf Französisch Schuttbourg, auf Deutsch Schüttburg, Schieburg und Schudebur. Edmond de la Fontaine beruft sich auf eine Urkunde von 1581, in der eindeutig von der Scheidburg die Rede ist.
Die geschichtlichen Anfänge der Schüttburg reichen bis ins Jahr 1339 zurück. Sie soll eine Flucht- oder Schutzburg gewesen sein – daher der Name. Die Burg wurde mehrfach zerstört, nach dem Zweiten Weltkrieg teilweise wiederaufgebaut und war bis vor Kurzem bewohnt.
Die Schüttburg liegt auf einem Schieferfelsen etwa 60 Meter über dem Tal der Klerf, zwischen Consthum und Kautenbach, auf 385 m Höhe. Der Eingang führt über einen zehn Meter breiten Graben zu einem Tor mit Metallbeschlägen. Die längliche Burganlage misst etwa 20 x 90 Meter. Unmittelbar hinter dem Tor erhebt sich der runde Wehrturm mit einem Durchmesser von etwa sieben Metern. Ein zweites Tor führt in den Innenhof, wo sich der Palas, das renovierte Hauptgebäude, befindet. Im ältesten Teil der Burg sind die Reste einer mittelalterlichen Kapelle zu sehen. Spektakulär sind die mit Efeu bewachsenen Schiefermauern, von denen das gesamte Gelände umgeben ist.
Die Erbauungszeit der Schüttburg liegt zwischen dem 9. und 13. Jahrhundert. Man geht davon aus, dass die erste Burg um 800 erbaut wurde, während die ältesten Teile der heutigen Überreste aus dem 14. Jahrhundert stammen. Eine Familie Schüttburg hat es nie gegeben und die Schüttburg war auch nie eine große Herrschaft. Neben der Burg, den Wäldern und Äckern sowie der noch erhaltenen, restaurierten Mühle waren nur die Dörfer Alscheid, Consthum und teilweise Holzthum im Besitz der Herrschaft.
Von 1400 bis 1894 war die Burg in adeligem Besitz. Im Laufe der Zeit wurden an dem Bauwerk immer wieder bauliche Veränderungen vorgenommen. Nach der Blütezeit des Rittertums wurde die Schüttburg zum vornehmen Wohnsitz von Adligen und wohlhabenden Nichtadligen. Der letzte Burgherr ließ sie verfallen und sogar teilweise abreißen, um wenigstens aus den Steinen und dem Holz noch etwas Geld zu machen.
Nachdem der letzte Gutsverwalter das Anwesen verlassen hatte, wurden die Gebäude dem Verfall preisgegeben. Um 1935, als das belgische Ehepaar Meers-Jadoul die Schüttburg erwarb und restaurieren ließ, bot sie ein verwahrlostes Bild.
Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs wurde die Burg als eine Art Jugendherberge genutzt, in der viele luxemburgische Studenten fröhliche Stunden verbrachten.
Das Ehepaare Meers-Jadoul lebte getrennt. Herr Meers sympathisierte mit den Deutschen, während Frau Meers in der Résistance tätig war. Am 12. Juni 1941 verkaufte Herr Meers die eigentlich im Besitz seiner Frau befindliche Burg an den Reichsverband für deutsche Jugendherbergen, der hier ein Eliteheim der Hitlerjugend einrichtete. Das Geld wurde an Frau Meers-Jadoul überwiesen, die es jedoch nicht annahm, da sie den Verkauf an die Deutschen ablehnte. Eugénie Jadoul war eine bemerkenswerte Frau, die in Brüssel wohnte und nebenbei die Schüttburg unterhielt.
Seit 2001 steht die Schüttburg unter Denkmalschutz. Seit 2009 ist sie im Besitz von Fernand Feltgen aus Differdingen. Die Schüttburg hat die vielen Jahrhunderte mehr oder weniger unbeschadet überstanden.
Und dann sind da noch die geheimen Gänge, die nach Alscheid, Consthum und Kautenbach führen ...
Legenden
Von Gängen und Brunnen
In den umliegenden Dörfern erzählt man sich noch heute von der Schüttburg, von geheimen Schächten und einem tiefen Brunnen: Ein Gang führt angeblich von der Burg hinauf zum Consthumer Friedhof, der andere hinunter zum Fluss Klerf. Der Brunnen soll 100 Meter tief sein und die Burg mit Wasser versorgen.
Außerdem taucht immer wieder die Geschichte von einem Schatz in einem geheimen Verlies auf.
Wahrscheinlich sind diese Geschichten aber frei erfunden, denn im 12. und 13. Jahrhundert war das Bohren so tiefer Brunnen noch nicht möglich. Das bergmännische Können, einen 100 Meter tiefen Schacht zu bauen, entwickelte sich erst im 15. Jahrhundert, also im Spätmittelalter und der frühen Neuzeit. Aber vermutlich fehlte der Herrschaft Schüttburg damals ohnehin das Kapital für einen solchen Brunnen. Das Gleiche gilt für die beiden Geheimgänge. Bei den Resten des „Brunnens“ im älteren Teil der Burg dürfte es sich daher eher um die Reste einer Zisterne handeln.
De Kriibsewee
Die Legende vom „Kriibsewee“ geht auf ein Ereignis im Jahr 1748 zurück. Anton Blom und Johann Cart aus Hoscheid hatten in den herrschaftlichen Fischgründen gewildert und waren vom Schlossherrn beim Krebsfang in der Klerf erwischt worden. Sie wurden dazu verurteilt, den Weg von der Burg hinunter zum Kriibsebaach zu bauen. Da der Weg teilweise in den Fels gehauen werden musste, dauerte das Unterfangen mehr als drei Monate, vom 16. September bis zum 21. Dezember. Obwohl Alexander Joseph von Hoefnagle, der damalige „Herr von Schuttburg “, ihnen neben Spitzhacke, Hammer und Brecheisen auch die übliche Verpflegung zur Verfügung stellte und ihnen für die Instandhaltung ihrer Werkzeuge einen Taler zahlte, belegten sie ihn der Sage nach mit einem Fluch.
Bis zum heutigen Tag findet er keine Ruhe in seinem Grab. Um Mitternacht trifft er sich mit dem „Wilden Grafen von Wilwerwiltz“ und dem „Grafen von Enscheringen“ im Turmzimmer, wo ein Gespenst ein Trinkhorn mit siedendem Öl, das ihnen bei jedem Schluck die Kehle verbrennt, herumreicht. Außerdem krabbeln ihm unzählige Krebse über den Rücken und zwicken ihn mit ihren Scheren.
Der Weg heißt bis heute „Kriibsewee“. An kalten Tagen sollen die Schweißtropfen der beiden Männer noch heute wie Perlen auf den Felsen glitzern. Alexander Joseph von Hoefnagle starb 1764 auf der Schüttburg. Er wurde in der alten Consthumer Kirche beigesetzt. Heute steht sein Grabstein auf dem Consthumer Friedhof.
Herrschaft
Spätestens seit Beginn des 15. Jahrhunderts war die Schüttburg eine eigenständige Herrschaft, aus der sich jedoch nie eine „richtige“ Dynastie entwickelte, da der Besitz nie länger als drei Generationen in einer Familie verblieb. Oft wurde er an jüngere Söhne oder Töchter vererbt, manchmal auch einfach verkauft. Ein Grund dafür ist sicherlich, dass die Herrschaft Schüttburg relativ klein war und zwischen den großen Nachbarn Clerf, Wiltz und Brandenburg lag.
Einen Überblick über ihre Geschichte, basierend auf den Arbeiten von Peter Keiser und Paul Lamort, bietet die Webwalking-Site (siehe Link unten).
Die Schüttburg im Renert
Im dritten „Gesank“ des Renert von Michel Rodange wird die Schüttburg als Schloss von Schibreg erwähnt.
De Wollef war beim Kinnek,
D'Fra Gormang war eleng,
De Fuuss geet an hir Wunnecht
A fënnt doheem hir Kleng.
Wéi ass et dann, dir Krotten?
Sot Renert, wéi e koum,
Wou ass dann iere Vueder,
Wou ass séng uersche Moum?
Du spréngt aus engem Wénkel
Hir Mamm op Renert lass:
De Fiissche musst entsprangen,
Si huet sech nogeflass.
Om ale Schlass zu Schibreg
Do wutscht en duerch e Schaart,
Si no - du blouf se steechen:
Du laacht de Renert haart.
De Schallek mécht eng Kéier,
Kënnt hannebäi erëm:
Do deet en ër nach Schmot un
A laacht aus heller Stëmm.
A wéi en dat gestiicht hat,
Du mécht en sech an d'Schlënner,
Op d'Festonk no Malpaartes,
Bei d'Fra a bei d'Gesënner.
Weitere Informationen
Quellen & Fotos
› Nicolas Bosseler - Kautenbach, Merkholtz, Alscheid, der Kohnerhof und die Schüttburg auf ihrem schicksalhaften Weg durch die Jahrhunderte
› Joseph Hoffmann - Die Schüttburg unweit Kautenbach
› John Zimmer - Die Burgen des Luxemburger Landes
› Webseite Webwalking






