Der Steinbruch in Merkholtz

Ein ehemaliger staatlicher Steinbruch

Wer auf dem neuen Teilstück des Radwegs PC20 von „Merkholtz Halt“ in Richtung Wiltz fährt, kann ein Stück Kiischpelter Industriegeschichte erleben. Nach der Überquerung des Holzstegs und einem kurzen Anstieg erreicht man den Platz, an dem früher der Steinbrecher (Concasseur) des Merkholtzer Steinbruchs stand.

Bereits in den 80er-Jahren des 19. Jahrhunderts begannen Privatleute in Merkholtz mit dem Abbau des Hasselter Hartgesteins. Das auch als Grauwacke bezeichnete Gestein wurde z. B. zum Schottern von Wegen verwendet. Dadurch waren die Straßen im Ösling im Vergleich zu den Straßen im Gutland, die überwiegend mit Luxemburger Sandstein geschottert waren, von sehr hoher Festigkeit und Langlebigkeit. Da Sandstein diese hohe Festigkeit nicht aufwies, behalf man sich eine Zeit lang mit Material aus dem Ausland. Mit der Zeit setzte sich jedoch die Idee durch, die natürlichen Ressourcen des Landes zu nutzen, und so begann die staatliche Bauverwaltung 1904 mit dem Ankauf von Grundstücken in Merkholtz: Ziel war die Errichtung eines Steinbruchs mit mechanischer Brechanlage, um das Material gebrauchsfertig aus dem Steinbruch Merkholtz abtransportieren zu können. Im Juli 1908 wurden die Arbeiten ausgeschrieben und bereits im Mai 1910 konnte die Anlage in Betrieb genommen werden.
 
An insgesamt drei Standorten wurde Gestein abgebaut. Anfangs waren 25 Männer hier beschäftigt und brachen Steine aus dem Fels. Eine sehr schwere und gefährliche Arbeit, die später durch die Einführung des Pressluftbohrers erleichtert wurde. Bei diesem Verfahren wurde Druckluft von einem Kompressor über Rohrleitungen aus den jeweiligen Steinbrüchen zugeführt. Die Sprengung erfolgte mit dem Sprengstoff Donarit.

Eine Drahtseilbahn beförderte das Gestein über ein eisernes Viadukt in 18 Metern Höhe zu den Steinbrechern, wo Arbeiter den Inhalt der Wagen in die trichterförmigen Öffnungen der beiden Brecher entleerten. Diese zerkleinerten das Gestein abwechselnd und ließen die großen Brocken erst dann passieren, wenn sie in viele Stücke zerbrochen waren. Nach dem Brechen fielen die zerkleinerten Steine in eine Siebtrommel, wo sie in vier Größenklassen sortiert wurden.

Das eigentliche Schottermaterial mit 2 bis 6 Zentimetern Durchmesser fiel sofort in die darunter stehenden Eisenbahnwaggons. Die anderen drei Kategorien fielen als Nebenprodukte in dafür vorgesehene Behälter und wurden zunächst auf dem Gelände gelagert. Bei den Nebenprodukten handelte es sich um Grobsplitt, Feinkies und Steinmehl, die zu günstigen Preisen an Gemeinden und Privatpersonen verkauft wurden. Im Jahr 1911 betrug die Gesamtproduktion 22.435 Tonnen.
 
Die beiden Brecher, die Seilbahn und der Kompressor wurden von einer mit Steinkohle befeuerten Dampfmaschine mit 140 PS angetrieben. Neben dem Maschinenhaus befanden sich ein 30 Meter hoher Schornstein sowie, unweit des Brechers, ein Kühlturm und eine Waage mit einem Gewicht von 40 Tonnen . Die beiden Brecher wiederum standen auf eigenen Fundamenten, um die extremen Vibrationen nicht auf die übrigen Gebäude zu übertragen.
1914 veranlasste die Bauverwaltung den Bau eines Staudamms in der Wiltz, oberhalb der Kirel-Mündung, um mit dem Wasser zwei Turbinen anzutreiben, die den Steinbruch mit Strom versorgten.

Das Energieversorgungsunternehmen Cegedel begann 1929 mit der Verlegung von Stromleitungen. 1934 wurde der Steinbruch an das Stromnetz angeschlossen.
In den ersten Jahren wurde die gesamte Anlage vom Bauamt in Diekirch verwaltet. Ab Anfang der 1940er-Jahre wurde der Betrieb jedoch von einem Verwalter vor Ort geleitet, was den Bau eines Verwaltungsgebäudes erforderlich machte. Dieses Gebäude diente sowohl als Archiv als auch als Ersatzteillager für die Maschinen. 

Zu diesem Zeitpunkt waren 18 Personen im staatlichen Steinbruch beschäftigt:
-    1 Bergmann
-    2 Schießhauer
-    1 Schlosser
-    1 Maschinist
-    2 Brecher
-    11 Steinbrucharbeiter

Zum Abtransport des fertigen Beschotterungsmaterials erhielt der Steinbruch 1916 einen Anschluss an die Bahnlinie Bastogne-Wiltz-Kautenbach ‒ die Prinz-Heinrich-Eisenbahn ‒, die später in Kautenbach an die Nordstrecke angeschlossen wurde.

1961 wurde der Steinbruch stillgelegt und die Anlage nach und nach abgebaut. Das Turbinenhaus und das Verwaltungsgebäude sind bis heute erhalten geblieben. Auch die Fundamente des Brechers stehen noch am alten Standort. 
Im Laufe der Zeit hat sich die Natur den Steinbruch, die Seilbahntrasse und das Schotterwerk zurückerobert.
 
Heute gehören der Steinbruch und die umliegenden Wälder zum Natura2000-Gebiet „Region Kiischpelt“ und sind damit Teil eines europäischen Schutzgebietsnetzes. Einige Bereiche sind sogar als Biotope ausgewiesen. Der Mensch hat durch seine Tätigkeit, vor allem durch die Niederwaldwirtschaft und durch diesen oder andere Steinbrüche, einen Teil dieser strukturreichen Landschaft und der davon abhängigen Artenvielfalt geschaffen.

Die Idee, die Industriegeschichte und die daraus entstandenen Naturschätze dieses ehemaligen Steinbruchs in einem Sensibilisierungsprojekt zu thematisieren, entstand ab 2018 im Rahmen des Baus des Radwegs PC20 zwischen Kautenbach und Wiltz. Das Ergebnis ist das Projekt „Staatssteebroch Mäerkels“. Daran beteiligt waren die Gemeinde Kiischpelt, das Umweltministerium, die Natur- und Forstverwaltung, das Straßenbauamt, das Tourismuszentrum Visit Éislek und der Naturpark Our.
Die staatlichen Steinbruchanlagen in Merkholtz. In der Mitte des Berges ist der Verlauf der alten Straße zu erkennen, im Vordergrund das Turbinenhaus.

Die Anlage bestand neben drei Steinbrüchen und einer Werksbahn aus einer Zerkleinerungsanlage, einer Seilbahn für den Transport zwischen den Steinbrüchen und dem Steinbrecher, einem Maschinenhaus mit Dampfmaschine, Kühlturm und Waage sowie einer Verladestation für den Abtransport des Schotters mit der Bahn. Das Verwaltungsgebäude ist bis heute erhalten.

 

Staatliche Steinbruchanlagen in Merkholtz. In der Mitte des Berges kann man den Verlauf der alten Straße erkennen, im Vordergrund das Turbinenhaus.

Die Anlage bestand neben drei Steinbrüchen und einer Werksbahn aus einer Zerkleinerungsanlage, einer Drahtseilbahn für den Transport zwischen den Steinbrüchen und dem Steinbrecher, einem Maschinengebäude inklusive Dampfmaschine, Kühlturm und Waage sowie einer Verladestation für den Abtransport des Schotters mit der Eisenbahn.

Dienstgebäude welches heute noch erhalten ist.

3D – Animation Naturopark Our / Umsetzung: 3D Studio sàrls

Weitere Informationen
Quellen & Fotos

› Biller aus der Gemeng Kautebaach - Errichtung der Merkholtzer Staatssteinbruchanlagen 
Webseite Staatssteebroch Mäerkels
Webseite Industriegeschichte aus Luxemburg und darüber hinaus
Webseite D'Eisebunn zu an ëm Lëtzebuerg

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